Wenn der Bauer nicht schwimmen kann…

…liegt es bekanntlich immer an der Badehose!

Vorige Tage bin ich über Xing auf diesen Artikel der Website arbeits-abc.de gestoßen. Zusammengefasst stand dort geschrieben, warum nach spätestens 7 Jahren ein Jobwechsel nicht nur zu empfehlen, ja geradezu notwendig sei. Und mein erster Impuls war „Oh Gott, ich bin schon über 7 Jahren bei der Xtentio! Bin ich zu spät dran? Karriere verbaut? WAS SOLL BLOSS AUS MIR WERDEN!?“ 

Aber dann dachte ich mir „Moment mal!“. Und je mehr ich darüber nachdachte, desto absurder kam mir diese Aussage vor. Ja, ich finde sie sogar gefährlich. Hier wird in meinen Augen eine Form von Unternehmenskultur gepredigt, die ich nicht gut heißen kann. Arbeitgebern wird suggeriert, dass Mitarbeiter eh nach spätestens 7 Jahren weg sind, warum also langfristig mit ihnen planen? Warum unbefristete Arbeitsverträge anbieten, wenn man mit 2 befristeten Verträgen den Durchschnitt der Verweildauer abdecken kann?

Dann aber wird wieder in den Medien immer wieder die Sau des Fachkräftemangels über den Arbeitsmarkt getrieben. Über mangelnde Berufserfahrung gestöhnt und um Young Professionals gerungen, ja sogar vom „War of Talents“ gesprochen! Aber klar, wenn der Trend „Frisches Blut von Außen, statt interne Förderung“ lautet, ist das die logische Konsequenz. Die weiteren Folgen in meinen Augen? Immer mehr junge Leute, die irgendwie immer auf dem Sprung sind. Hat man sich nach 2 Jahren endlich in die unbekannten Strukturen und informellen Gesetze beim neuen Arbeitgeber eingefunden, sich mit Überstunden und Sonderaufgaben einen Namen gemacht, ist ja durchschnittlich fast schon wieder Halbzeit. Da heißt es schon wieder den nächsten Karriereschritt planen. Und wer weiß, wo der einen hintreibt! Da eine langfristige Bindung zum Partner oder der Partnerin aufbauen? Gar gemeinsam etwas aufbauen – sei es die eigene Familie oder das gemeinsame Heim? Nur Ballast beim Wechsel zum nächsten Punkt im CV (Curriculum vitae, klingt weniger behördendeutsch als Lebenslauf).

Hier muss ein Paradigmen-Wechsel her. Den Arbeitnehmern darf nicht vermittelt werden, dass sie nach 7 Jahren weg müssen, weil sie sich sonst nicht weiterentwickeln können. Den Arbeitgebern muss vielmehr klar werden, dass sie den War for Talents am Besten mit den eigenen Leuten gewinnen können. Wenn die Mitarbeiter nach spätestens 7 Jahren wechseln, darf das nicht mit „Gehört halt zum guten Ton“ gerechtfertigt werden. Wenn der Bauer untergeht, liegt es eben NICHT an der Badehose! Mitarbeiter müssen permanent gefördert werden, Entwicklungsmöglichkeiten im Unternehmen aufgezeigt werden und gemeinsam die Grenzen der jeweiligen Komfortzonen in Frage gestellt werden. Geht ein Mitarbeiter trotzdem, dann habe ich als Arbeitgeber erstmal den eigenen Fehler zu suchen. So entsteht nicht nur Vertrauen, sondern auch Loyalität. Und die lässt sich mit Geld nicht kaufen, die kann man sich nur erarbeiten. Dann werden aus Zeitarbeitern, Business-Söldner  und Human Ressources plötzlich Human Assets.

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