Liebe Headhunter, Recruiter und andere Personalbeschaffer

Liebe hauptberuflichen Personalbeschaffer,

ich weiß, der Arbeitsmarkt ist nicht gerade überfüllt mit IT-Professionals. Auf der einen Seite sicherlich schön für Sie, denn das verschafft Ihnen Arbeit. Andererseits blöd für Sie, denn das verschafft Ihnen tatsächlich Arbeit.

Diese Arbeit sollte aber nicht darin bestehen, in den Karrierenetzwerken die Suchmaschine mit generischen Schlagwörtern oder Postleitzahlen Ihres Reisebereitschafts-Radius zu befüllen. Man sieht, über welche Wege man auf einen Profil gestoßen ist. „Suche nach PLZ“ ist da jetzt nicht unbedingt das, was mein Interesse für Ihr Angebot weckt. Oder wenn Sie mir Jobs anbieten, die zwar was mit IT zu tun haben, aber nicht im Ansatz was mit meinem Profil zu tun haben. Ich bin Berater und Projektmanager. Mein Programmierkünste reichen für den Hausgebrauch und um mich mit Software-Dienstleistern verstehend auszutauschen. Aber ich bin kein Entwickler. Ich will auch keiner werden. Meine Aufgabe ist es, Projekte zu steuern, Probleme in Prozessen auf die Schliche zu kommen, Kunden weiter zu bringen und neue Impulse zu liefern. Nicht selten hat das was mit Moderations-Kompetenz zu tun und einfach nur dafür zu sorgen, dass zwei oder mehrere Parteien über das Gleiche sprechen. Empathie für alle Beteiligte mitzubringen. Oder das Lösungswege und Planungen transparent und nachvollziehbar sind und bleiben. Ich muss Projektteams zusammenstellen und steuern, Risiken erkennen und analysieren, Stakeholder informiert und manchmal auch bei Laune halten. Und ich bin überzeugt (und Kunden und Arbeitgeber spielen mir das ja auch zurück), dass ich das ganz gut hinkriege. Sonst wäre ich heute nicht da, wo ich bin.

Aber wirklich, ich bin kein Entwickler. Ich mach auch kein SAP. Ich schraube keine Server zusammen und ich verlege keine Netzwerke. System-Administrator war ich nur während und kurz nach meiner Ausbildung. Das hat mit meinen Profil so viel zu tun wie ihr Hausapotheker und die Sprechstundenhilfe beim Hausarzt – beide machen „was mit Medizin“. Wenn sie nen Apotheker suchen, sprechen Sie die Sprechstundenhilfe nicht an. Wenn Sie ne Sprechstundenhilfe suchen, ist der Apotheker auch der falsche.

Wenn Sie also jemanden suchen und dabei auf mein Profil gestoßen sind: Ich bin zur Zeit sehr zufrieden in meinem Job. Ich suche nicht. Sie suchen. Damit ich aber vielleicht doch ins Grübeln komme, muss schon was passieren. Neuen Herausforderungen stehe ich immer offen gegenüber. Sie müssen sich nur Mühe geben. Und glauben Sie mir, ich bin die Mühe wert!

Aber wenn Sie sich die Mühe gemacht haben, bis hier hin zu lesen, dann sind Sie wahrscheinlich eh nicht angesprochen. Sie können den Link ja an die weiterleiten, die es lesen sollten. Ich bin mir sicher, Sie haben da schon jemanden im Kopf.

1 Gedanke zu “Liebe Headhunter, Recruiter und andere Personalbeschaffer

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