Arbeiten in den eigenen 4 Wänden

Letztens bin ich mal wieder gefragt worden, wie mein Job als Berater mit meinem Famlienleben zu vereinbaren ist. Und ob meine Reiserei nicht ätzend sei und belastend. Und wie immer hat meine Antwort verblüfft, denn ich sagtewie immer, dass ich doch ziemlich zufrieden sei und mir aktuell nichts anderes vorstellen könne – denn ich arbeite auch viel in den eigenen 4 Wänden.

Seit jetzt fast 10 Jahren bin ich in einem Umfeld tätig, dass es notwendig macht viel zu reisen. Aber Projektarbeit vor Ort ist nicht immer notwendig und nicht immer möglich. Mein Arbeitgeber vertritt hier dankenswerterweise die Philosophie, dass wir vieles möglich machen aber nicht alles und das meine Kollegen und ich auch ein Recht auf Familienleben haben. Also erklären wir unseren Kunden immer, dass man nicht zwingend vor Ort sein muss, um gute Arbeit zu machen.

Warum ich das erzähle? Weil das ganz wichtig ist. Der Arbeitgeber muss diese Art der Organisation unterstützen und auch fördern. Das fängt bei Dingen wie der Versorgung mit Büromaterial an und endet bei der technischen Infrastruktur (Datenzugänglichkeit, Hardwareausstattung etc.). Und der Arbeitgeber sollte bedenken, dass er sich bemühen muss, einen Bezug zum Unternehmen herzustellen. HomeOffice heisst nämlich auch, dass Bindungen durch und an Kollegen geschwächt werden können und der Einzelne unabhängiger wird. Auch dafür sollte man sich was überlegen. Wir treffen uns zum Beispiel einmal im Monat für knappe 2 Tage und besprechen die aktuellen Projektsituationen. Das ist auch eine Möglichkeit, mal wieder zu schnacken, oder Abends noch ein Bierchen zu trinken. Und wenn ich mich sonst mit meinen Teammitgliedern treffen muss, dann wird halt ein DayOffice gebucht.

Ich habe ein paar Jahre gebraucht, bis das mit dem HomeOffice geklappt hat. Ich benötigte einfach dieses Ritual des Feierabends. Unterlagen wegräumen, Tag abschließen, ins Auto setzen und nach Hause fahren. Hatte ich mal Arbeit mit Zuhause, weil zum Beispiel duch die Reiserei es sich nicht lohnte, vorher noch ins Büro zu fahren, dann war da schon sowas wie schlechtes Gewissen, wenn ich um 18 Uhr einfach mal mit dem Arbeiten aufgehört habe. Oder am Wochenende nicht doch einfach mal schnell noch am Projektplan oder so gearbeitet habe. Warum denn nicht, liegt doch alles da!

Das musste ich mir abgewöhnen. HomeOffice hat viel mit Selbstdisziplin zu tun. Das fängt schon morgens an. Auch ein HomeOffice hat einen definierten Arbeitsanfang. Also nicht einfach mal 10 Minuten länger im Bett bleiben, sondern Wecker stellen und aufstehen. Und dann nicht einfach im Pyjama oder Jogginghose an den Schreibtisch. Klar, ich muss nicht im Anzug hier sitzen (muss ich sonst aber auch nicht) aber ne Jeans und ein Poloshirt sind es dann schon. Halt ungefähr das, was man auch ins Büro anziehen würde. Das mit der Selbstdisziplin geht dann den Tag über weiter. Nicht ständig unterbrechen und „mal eben“ die Spülmaschine ausräumen oder „mal eben“ noch die Einkäufe erledigen. Das kommt nach Feierabend dran. Das musste auch meine Frau lernen. Das ist keine böse Absicht, wenn ich nicht „mal schnell“ durchsaugen kann oder so. Nein, ich arbeite. Ich bin ein bißchen nicht da!

Mittlerweile möchte ich diese Form des Arbeitens nicht mehr missen. Ich habe schon diverse Jobs abgelehnt, weil das auch das Ende des HomeOffices bedeutet hätte. ich kann meine Tochter morgens zum Kindergarten bringen und Mittags mit meiner Familie zusammen essen. Und danach geht der Papa eben wieder arbeiten. Dann ist mein Arbeitszimmer eben tabu (Meine Tochter hat ihre Carrera-Bahn hier stehen, das will also schon was heißen! ), bis ich Feierabend mache. Aber der (genau so wie die Wochenenden) gehört dann meiner Familie. Und ich muss dafür nicht lange Auto fahren oder im Zug sitzen. Ich mach die Tür auf und bin da. Und wenn ich mir zwischendurch einen Kaffe hole, dann gibt es auch mal schnell ein Küsschen von meiner Tochter. Welcher Arbeitsplatz kann das schon bieten!

Stichwort Arbeitszimmer: HomeOffice kann nicht jeder machen, meiner Meinung nach. Du brauchst einen gewissen Platz. Platz für einen Schrank oder ein Regal für Unterlagen. Eben einen Ort, wo du die Arbeit am Ende des Tages auch wegräumen kannst. Und einen Schreibtisch, auf dem auch mal was liegen bleiben darf und nicht geich von Zeitungen, Möbelprospekten oder ähnlichem zugebuddelt wird. HomeOffice am Küchentisch klappt nicht.

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